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Sexualität
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Sexueller Missbrauch Drucken E-Mail

In Deutschland werden jährlich etwa 12.000 Kinder sexuell missbraucht. Unter sexuellem Missbrauch versteht man Misshandlungen, die an Kindern und Jugendlichen verübt werden. Oftmals wird sexueller Missbrauch mit einer Vergewaltigung gleichgesetzt, doch zwischen Kindern und Erwachsenen wird nicht nur oraler, vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr als sexueller Missbrauch bezeichnet, sondern alle Handlungen, die ein Erwachsener mit der Absicht der sexuellen Stimulation an Minderjährigen ausführt. Dabei muss der sexuelle Charakter auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar sein, denn Handlungen können auch dann einen sexuellen Charakter haben, wenn keine Berührung stattfindet. So ist es auch sexueller Missbrauch, wenn einem Kind pornographisches Material gezeigt wird oder es nackt posieren muss (beispielsweise zum Abfotografieren). Doch in den meisten Fällen geht es um Handlungen, die einen Körperkontakt voraussetzten: So reicht die Spannweite der sexuellen Handlungen vom Zungenkuss über gegenseitiges oder einseitiges Masturbieren bis hin zum Geschlechtsverkehr. Dabei geht es den Tätern nicht so sehr um die sexuelle Stimulation des Kindes, sondern vor allem um die eigene: Sexueller Missbrauch liegt auch dann vor, wenn das Kind beim Baden, Abtrocknen oder Eincremen in unangemessener Weise sexuell stimuliert wird und dies bei der handelnden Person eine sexuelle Erregung auslöst. Auch Prügelstrafen können sexuell motiviert sein.



In den meisten Fällen des sexuellen Missbrauchs ist das Kind vom erwachsenen Täter abhängig. Diese Abhängigkeit wird durch den Altersunterschied und die dadurch bedingte körperliche Überlegenheit deutlich. Es kann aber auch eine emotionale, familiäre oder erziehungsberechtigte Abhängigkeit vorliegen. Somit geht es bei sexuellem Missbrauch immer um die Befriedigung der Bedürfnisse des mächtigeren Erwachsenen. Der Täter gaukelt sich und seinem Opfer zwar vor, die Wünsche des Kindes zu erfüllen, nutzt aber in Wahrheit nur die emotionale Bedürftigkeit des Kindes aus, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Vor allem emotional vernachlässigte Kindern sind willkommene Opfer, denn bei ihnen können sexuelle Handlungen den Wunsch nach Nähe, Anerkennung und Körperkontakt wecken und scheinbar auch befriedigen. Diese Handlungen sind aber nie altersentsprechend. Die betroffenen Kinder bekommen durch den Missbrauch Nähe und Anerkennung ausschließlich in einer sexualisierten Atmosphäre.
Da der Täter sich bewusst ist, Verbotenes zu tun, ist er um strickte Geheimhaltung besorgt. Doch meistens muss er seinem Opfer noch nicht einmal drohen, da das Kind sich ohnehin bewusst ist, dass sexuelle Handlungen nicht erlaubt sind und sich selbst schuldig fühlt und vor Konsequenzen fürchtet. In der Regel droht aber der Täter mit Liebesentzug, dem Auseinanderbrechen der Familie, Strafen für sich und das Kind, aber auch mit körperlicher Gewalt, Mord und Tod.



Es ist nicht verwunderlich, dass sexueller Missbrauch und traumatische sexuelle Erfahrungen in der Kindheit gravierende Folgen haben. So beschrieb schon 1896 der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freund Missbrauchserfahrungen, die Frauen in ihrer Kindheit hatten, als Ursache psychischer Störungen wie Hysterie oder Depressionen. Zudem haben Opfer später im Erwachsenenalter einen eher promiskuitiven Umgang mit Sexualität und wechseln häufig ihre Geschlechtspartner. Das bedeutet aber nicht, dass sexuell traumatische Kindheitserlebnisse immer und zwangsläufig zu einem gestörten Sexualverhalten führen. So gibt es auch kein spezielles Missbrauchssyndrom, denn fast jede Störung kann infolge von sexuellem Missbrauch auftreten.

Kurzfristige Folgen können sein:

  • Auffälligkeiten im Sozialverhalten,
  • Unangemessenes Sexualverhalten,
  • Somatische und psychosomatische Folgen.

Langzeitfolgen können sein:

  • Ängste,
  • Depressionen,
  • Beziehungsstörungen,
  • Probleme, sich anzupassen,
  • Essstörungen,
  • Schlafstörungen,
  • Suchtverhalten,
  • Persönlichkeitsstörungen,
  • emotionale und kognitive Störungen.

Hilfe finden Betroffene und ihre Angehörigen bei den örtlichen Pro Familia-Beratungsstellen oder bei Frauenberatungsstellen.
Lesen Sie weiter: Wann liegt sexueller Missbrauch vor?
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