|
Schätzungen von UN-AIDS zufolge infizieren sich weltweit jeden Tag 7.400 Menschen mit dem HI-Virus. Die meisten von ihnen hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Personen, die HIV-positiv sind, doch viele Infizierungen gehen auch auf Vergewaltigungen oder verseuchte Blutkonserven zurück. Auch Ärzte und Laboranten können sich zum Beispiel bei einem „Arbeitsunfall“ mit einer benutzten Spritze anstecken. Für all diese Menschen gibt es jedoch eine kleine Hoffnung, dem Schicksal „AIDS“ zu entkommen: Die „Pille danach“. Diese Medikamente reduzieren das Risiko, sich nach dem Kontakt mit dem Virus anzustecken. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet HIV-Postexpositionsprophylaxe (kurz: HIV-PEP). Den Betroffenen wird eine Medikamentenkombination verabreicht, die aus zwei starken Virusmitteln besteht: Die eine Komponente verhindert, dass sich der HI-Virus im Körper einnistet, die andere dass ein Virus, das bereits in eine Zelle eingedrungen ist, aus dieser Zelle „ausbrechen“ und so weitere Zellen infizieren kann. Diese Medikamente müssen vier Wochen lang täglich eingenommen werden. Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip, wären da nicht die Nebenwirkungen. Und die sind heftig: Übelkeit, Erbrechen, Fieber, aber auch Muskellähmungen und Leberschäden. Hinzu kommen die hohen Kosten für die Mittel, die zusammen etwa 1.500 Euro (Stand Februar 2010) betragen. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht. Doch dafür ist HIV-PEP relativ wirksam: Laut diversen Studien zufolge sinkt das Ansteckungsrisiko um mehr als 80 Prozent – vorausgesetzt, man beginnt die HIV-Postexpositionsprophylaxe nicht länger als 48 Stunden nach dem Kontakt mit dem HI-Virus.
Trotzdem sei nach wie vor vor Sorglosigkeit im Umgang mit HIV gewarnt, denn einen hundertprozentigen Schutz vor AIDS bietet auch HIV-PEP nicht: Bei einer Studie von Michelle Roland von der Berkeley University of California in San Francisco waren von insgesamt 702 Betroffenen, die mit PEP behandelt wurden trotzdem drei Monate später sieben HIV-positiv. Zum einen könnte dies auf die Medikamente zurückzuführen sein, zu anderen besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Probanden erneut ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV-positiven Sexualpartnern hatten. Hier in Deutschland werden die HIV-PEP-Präperate unter anderem von der Haemato Pharm AG vertrieben. Doch auch deren Vorstandschef warnt vor Leichtsinn: „Bestimmte Risikogruppen neigen zu einer gewissen Sorglosigkeit, wenn sie die Möglichkeit der HIV-PEP kennen. Dabei ist das absolut unbegründet. Schon allein wegen der heftigen Nebenwirkungen sollte es eine Notfallmaßnahme bleiben." Zudem wird befürchtet, dass bei einer mehrmaligen PEP-Behandlung die HI-Viren resistent werden könnten. Für die Betroffenen wäre dies fatal, denn die Medikamente, die für die HIV-Postexpositionsprophylaxe verwendet werden, kommen auch bei der Behandlung von HIV und AIDS in Einsatz.
In Deutschland sollten alle größeren Krankenhäuser PEP-Medikamente vorhalten. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, sollte sich an eine HIV-Ambulanz oder eine HIV-Schwerpunktpraxis wenden, denn je mehr Erfahrung der behandelnde Arzt eines mit dem HI-Virus infizierten Patienten hat, desto besser ist auch der Behandlungserfolg. Bitte beachten Sie, dass ein www.heute-gesund-leben.de-Artikel generell fachlichen Rat durch einen Arzt nicht ersetzen kann! ( Bildnachweis: Franc Podgoršek - Fotolia.com )
|