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Spermien: Lassen sie sich bald an- und ausschalten?
Von Gesundheits-News | Februar 6, 2010
Spermien verharren im Hoden unbeweglich, doch in der Scheide werden sie aktiv. Ein Phänomen, das bislang ungeklärt war. Doch nun haben US-Forscher um Studienleiter Yuriy Kirichok von der renommierten Berkeley University of California in San Francisco das Rätsel gelöst. Von ihren Erkenntnissen versprechen sich die Wissenschaftler, neue Verhütungsmethoden für den Mann entwickeln zu können.
Nach ihren neuen Erkenntnissen besitzen die männlichen Geschlechtszellen einen Molekülschalter, der sich unter bestimmten Bedingungen öffnet, so dass positiv geladene Teilchen nach außen strömen können. Dadurch wird der pH-Wert in der Umgebung der Spermien erhöht, so dass diese anfangen zu schwimmen. Schon lange ist bekannt, dass Spermien einen hohen pH-Wert brauchen, um in Bewegung zu kommen. Während in den Hoden ein pH-Wert von 6,0 herrscht und dafür sorgt, dass die Spermien inaktiv sind, liegt der pH-Wert in der Scheide bei 7,4. Bei ihren Untersuchungen haben die Forscher nun Poren auf der Oberfläche der Spermiengeißeln entdeckt, die sich in der Umgebung eines hohen pH-Wertes öffnen. So strömen positiv geladene Protonen nach außen, so dass die Spermien selbst alkalisch werden. „Man kann die Spermienzellen mit Ballons vergleichen, die mit Protonen vollgepumpt sind“, erklärt Yuriy Kirichok. „Durch äußere Reize öffnen sich die Poren in der Oberfläche des Ballons, die so genannten Hv1-Kanäle, so dass extrem viele Protonen ausfließen.“ Laut Kirichok stößt das eine Kaskade biochemischer Reaktionen an, welche die Spermien reifen lassen, sie beweglich machen und darauf vorbereiten, eine Eizelle zu befruchten.
Bei ihren Untersuchungen gelang es den Wissenschaftler, eine Reihe weiterer medizinischer Rätsel zu lösen: Bisher wusste man, dass Zink und Marihuana die Fruchtbarkeit herabsetzten, da sie die Beweglichkeit der Spermien hemmen. Nun fanden die Forscher heraus, dass bei Menschen sich die höchste Konzentration von Zink in den männlichen Geschlechtsorganen befindet. In der Vagina ist davon wesentlich weniger vorhanden. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass Zink in den Hoden zur Ruhigstellung der Spermien beiträgt. Marihuana lässt die Spermien einerseits aktiver werden, anderseits aber auch schneller absterben. Sowohl in den männlichen, als auch in den weiblichen Geschlechtsorganen befindet sich eine Cannabis-ähnliche Substanz, Anandamid. Anandamid ist ein Endocannabinoid, das vom Körper selbst produziert wird und an die gleichen Rezeptoren wie Marihuana andockt. Doch Anandamid kommt auch in der Nähe der weiblichen Eizelle vor – und zwar in besonders hoher Konzentration. „Marihuana könnte die Funktion des Anandamid nachahmen und die Spermien vorzeitig aktivieren, wenn sie sich noch in den Hoden befinden”, folgert Kirichok. Somit führe Marihuana zum vorzeitigen Absterben der Spermien, da diese nur wenige Stunden aktiv sind. „All diese Prozesse sind für die Befruchtung einer Eizelle von großer Bedeutung”, betont Kirichok. „Da wir nun das Molekül kennen, dass für diese Prozesse verantwortlich ist, könnte man es durch bestimmte Wirkstoffe sowohl hemmen als auch aktivieren.” Mit diesem Wissen können in Zukunft spezielle Verhütungsmittel für den Mann entstehen, aber auch Mittel gegen Unfruchtbarkeit.
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