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    Alzheimer: Plaques sind Teil des menschlichen Immunsystems

    Von Gesundheits-News | März 4, 2010


    Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankungen. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt auch ihre Häufigkeit zu, ganz besonders bei Frauen. Es wird geschätzt, dass von den 90-jährigen mindestens jede dritte Frau davon betroffen ist. Die Entstehungsprozesse von Alzheimer sind bis heute noch nicht vollständig geklärt, doch offenbar hat die Wissenschaft bei der Suche nach den Ursachen jahrzehntelang auf das falsche Pferd gesetzt. Bisher wurde nämlich davon ausgegangen, dass die so genannten Beta-Amyloid-Plaques, eine Ablagerung im Gehirn, die Ursache für das Vergessen sein könnten. Diese Ablagerungen sind charakteristisch für die Krankheit und werden von Alzheimer-Medizinern umgangssprachlich als „Müll“ bezeichnet. Doch nun fand ein Forscherteam um Dr. Rudolph Tanzi vom Massachusetts General Hospital in Boston heraus, dass diese Ablagerungen kein „Müll“ sind, sondern sogar eine schützende Funktion haben. Dem Forscherteam gelang es, in Zellkulturen nachzuweisen, dass die Plaques Candida-Hefezellen, Streptokokken und andere Bakterien in ihrem Wachstum hemmen. Tanzi und seinen Kollegen waren Ähnlichkeiten zwischen den Beta-Amyloid-Proteinen und einigen bekannten Proteinen des menschlichen Immunsystems aufgefallen. Diese Ähnlichkeiten brachten die Mediziner auf die Idee, die Plaques-Proteine auf antimikrobielle Eigenschaften zu untersuchen. „Jahrelang haben wir gedacht, Beta-Amyloid-Proteine seien lediglich Stoffwechselendprodukte, die durch andere Hirnprozesse anfallen. Die neuen Daten suggerieren nun aber, dass es sich um ganz normale Bestandteile des hirninternen Immunsystems handelt“, beurteilt Rudolph Tanzi die neu gewonnenen Ergebnisse. Somit wirken diese Ablagerungen praktisch wie ein Antibiotikum.


    Die Wissenschaftler folgern deshalb im Fachmagazin „PloS“, dass die Plaques möglicherweise ein Teil des angeborenen Immunsystems sind. Sie vermuten, dass möglicherweise im Gehirn eines Alzheimer-Patienten deshalb so viel Beta-Amyloid produziert wird, weil eine Infektion mit bisher nicht bekannten Bakterien oder Pilzen erfolgte. Auch eine Verletzung könnte dafür ausschlaggebend sein. Gesunde Menschen produzieren ebenfalls Beta-Amyloid-Proteine. Diese lagern sich bei ihnen jedoch nicht in der grauen Hirnsubstanz ab, wie es bei Alzheimer-Kranken der Fall ist. Nun müssen die Auslöser der übermäßig starken Plaques-Produktion gefunden werden. Tanzi und sein Team vermuten, dass eine Entzündung des zentralen Nervensystems dazu führt, das hirneigene Immunsystem dauerhaft produzieren zu lassen. Dieses Immunsystem könnte jedoch auch durch Risikofaktoren wie beispielsweise einem Schlaganfall, einer Hirnverletzung oder durch Narkosemittel angeregt werden. „Wenn wir herausfinden, welche Erreger zur Anhäufung von Beta-Amyloid-Proteinen führen, können wir gegensteuern – etwa durch eine Immunisierung“, so Rudolph Tanzi.
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    ( Bildnachweis: absolut – Fotolia.com )

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