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Weihnachten ist das Fest der Liebe. Die gesamte Familie kommt zusammen und versammelt sich um den festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Es wird geschlemmt und einander reich beschenkt. Doch dieses „Fest der Liebe“ bedeutet für viele Menschen Stress pur. Sollte die Advents- und Weihnachtszeit die beschaulichste Zeit im Jahr sein, ist sie mittlerweile jedoch zur stressigsten und arbeitsreichsten geworden.
Nach den Feiertagen fallen viele Menschen deshalb in ein psychisches Loch. „Nach den anstrengenden Weihnachtstagen spürt man eigentlich erst, wie es einem geht. Häufig plagt einen die Erschöpfung“, umschreibt Sina Zimmermann, Psychologin aus Köln die Situation. Geschenke besorgen, das Festtagsessen zubereiten, putzen, die Kinder beschäftigen – laut Zimmermann ist das Weihnachtsfest ganz besonders für Hausfrauen eine große Belastung. Sie weiß, dass danach eine Depression nicht gerade selten ist, besonders wenn noch ein Familienstreit dazukommt. „Das Problem ist auch, dass man zwischen Weihnachten und Silvester schlecht abgelenkt ist. Die meisten haben frei und somit Zeit zum Nachdenken." Die Psychologin hat auch beobachtet, dass es in den Folgemonaten zu einer Therapie oder gar Trennung kommt, wenn sich Ehepaare über die Feiertage noch einmal „zusammenrappeln“ wollen. Und so erreichen Sina Zimmermann und ihre beiden Kolleginnen in der dunklen Jahreszeit generell mehr Anfragen nach Therapien als im Sommer. „Für Betroffene ist es immer schwierig und langwierig, den ersten Schritt zu machen und in unserer Praxis anzurufen. Man tut das, wenn der Kopf frei ist.“ Allerdings ist eine Krise zur Weihnachtszeit nicht der Auslöser für eine Trennung. „Eine Krise hat meist eine längere Geschichte und kommt nicht über Nacht“, erklärt Xaver Büschel, Paar- und Familientherapeut aus Bonn. Oftmals sieht der eine oder andere das Weihnachtsfest jedoch als ein Wunder oder letzten Versuch, die Ehe zu retten, an. „Dieses Weihnachtswunder bleibt jedoch meist aus, wie immer bei Wundern“, so Büschel.
Nach Ansicht des Kölner Universitätsprofessors und Psychotherapeuten Professor Dr. Egon Stephan ist das psychische Loch nach Weihnachten „ganz normal“. Bei diesem Problem handele es sich um eine „Entlastungsdepression“. Stephan vergleicht dies mit der Vorbereitung auf ein Examen: „Man arbeitet wie verrückt auf ein Ziel hin. Stellt sich dann Erfolg ein, in diesem Fall das Bestehen des Examens, kommt es anschließend zur Depression." Medizinisch hängt das mit der Hormonausschüttung des menschlichen Körpers zusammen. Laut Professor Stephan sind Menschen, die zu Stimmungsschwankungen neigen, besonders anfällig für eine Entlastungsdepression. „Der weihnachtliche Spruch 'himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt' passt also wortgemäß.“ (Bildnachweis: Jens Hilberger - Fotolia.com )
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