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Placebo – kein Wirkstoff, aber große Wirkung Drucken E-Mail

Placebo - kein Wirkstoff, aber große WirkungPlacebos – das sind Medikamente, die keinen Wirkstoff, sondern nur Stärkemittel und Zucker enthalten. Ein Placebo ist nichts anderes als eine Scheinbehandlung mit einer Scheinmedikation. Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt heißt „Placebo“ „ich werde gefallen“. Trotzdem haben Placebos nichts mit Betrug zu tun. Denn sie zeigen große Wirkung bei der Genesung! Dabei spielt auch die Farbe, Größe, der Geschmack und der Preis ein wichtige Rolle: Je größer die Tablette ist, je schwerer sie zu schlucken ist, je mehr man für sie bezahlen muss, desto besser wirkt sie. Eine Rezeptpflicht fördert ebenfalls den Heilungsprozess, denn etwas vom Arzt verschrieben zu bekommen, flößt dem Medikament gegenüber Vertrauen und Respekt ein.



Placebos werden schon seit langer Zeit bei der Behandlung von kranken Menschen eingesetzt – und das erfolgreich. In früheren Jahrhunderten, als es noch wenig wirksame Medikamente gab, griffen die Ärzte gerne auf ein Placebo zurück. Sie wussten, dass es hilft: „Es gibt Menschen, bei denen allein der Anblick des Doktors die Operation ersetzt“, schrieb schon im 16. Jahrhundert der französische Philosoph Michel de Montaigne. Somit tritt der Placebo-Effekt nicht nur bei Medikamenten auf, sondern bei jeder Art der medizinischen Behandlung – auch beim bloßen Arztbesuch. Der Placebo-Effekt hat allerdings rein gar nichts mit Einbildung zu tun, wie wissenschaftliche Studien mittlerweile bewiesen haben: Der Placebo-Effekt hinterlässt sichtbare Spuren im menschlichen Gehirn. Es konnte gezeigt werden, dass ein Scheinmedikament die für die für die Schmerzabwehr zuständigen Gehirnbereiche genauso aktiviert wie ein richtiges Schmerzmittel.



Die Wissenschaft geht davon aus, dass zwei Mechanismen an der Entstehung des Placebo-Effekts beteiligt sind. „Das ist gelerntes Verhalten“, erklärt Professor Dr. Paul Enck, Forschungsleiter für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen: „Die Leute haben gelernt, dass nach der Einnahme von Medikamenten eine Besserung auftritt. Diese Lernerfahrung überträgt sich auf das Scheinmedikament.“ Bei der Schmerzbekämpfung ist die Rolle des Placebos wissenschaftlich geklärt: „Schon die Erwartung der Behandlung regt die Ausschüttung von körpereigenen schmerzstillenden Substanzen, so genannten Opioiden, im Gehirn an. Vermutlich wirken beide Mechanismen zusammen, der Lerneffekt und die Erwartung“, erklärt Enck. Professor Dr. Manfred Schedlowski, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunologie in Essen nennt den Placebo-Effekt die „Aktivierung der körpereigenen Apotheke“. Er betont, dass nicht nur Scheinmedikamente helfen, sondern auch schon der einfache Besuch beim Arzt: „Wir haben gelernt, dass die Ärztin oder der Arzt selbst als Placebo wirkt.“ Ärzte sollten sich ihren Patienten zuwenden und sie ernst nehmen, anstatt sie in anderthalb Minuten Gespräch abzufertigen und ihnen anschließend eine Packung Blutdruckmittel über den Tisch zu schieben, fordert der Mediziner. Schedlowski ist der Auffassung, dass die Medikamentendosierung um die Hälfte gesenkt werden könnte, wenn die Ärzte den Placebo-Effekt begünstigen würden.
Hildegard Tischer, Autorin des Buches „Heilende Wirkung – Medizin zwischen Placebo-Effekt und Wunderheilung“ rät, sich nach Möglichkeit einen Arzt zu suchen, dem man vertraut, der sich Zeit für einen nimmt und von dem man sich gut beraten fühlt, um den Placebo-Effekt als Patient für sich zu nutzen.
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